08.04.2018 10:00:00 | Siegfried Schätti
Warum nehmen wir an diesen Summits teil?
Int. Buddha Day, Japan, 8th of April 2018
 





     


Es gibt für uns Lehrende kaum eine bessere Gelegenheit, spezielle Themen zu erforschen, die in der zweieinhalbtausendjährigen Geschichte des Buddhismus immer wieder den Lauf der Dinge bestimmten: die Macht des Klerus, der Politik und deren Beziehung.

Oft wird die Frage gestellt, ob der Buddhismus eine Religion, eine Philosophie oder einfach eine Lebensweise sei. Was den Volksbuddhismus und die Institutionen angeht, so hat er zumindest viele Gemeinsamkeiten mit anderen Religionen und deren Institutionen.

Genau deshalb lohnt es sich, den Buddhismus von der Lehre Buddhas zu unterscheiden! Denn der Buddha lehrte das Dharma (Pali: Dhamma), und das ist identisch mit den Grundgesetzen des Lebens. Er zeigt die falschen Ansichten darüber auf und den Weg, der zu Einsicht führt und uns aus den Kreisläufen des Leidens zu befreien vermag.

Solange wir aber das Dharma mit der Kultur, den Institutionen und den Gepflogenheiten eines Landes verwechseln, ist es kaum das Dharma des Buddha.

Um in diese Dinge wirklich Einblick zu bekommen, muss man wohl - wenigstens für kurze Momente - Teil davon sein, ohne sich davon vereinnahmen oder darin verwickeln zu lassen.

Nebst diesen Themen entstehen auch ganz persönliche Einblicke: In solchen Tagen erkennt man deutlich, dass allein die Tatsache, dass jemand Mönch oder Nonne geworden ist, keine Garantie dafür ist, die tiefe Egozentrik zu überwinden. Zum Teil geschieht sogar das Gegenteil: Diese Position kann für den einen eine ausgezeichnete Plattform bieten, sie noch zu verstärken. Bei einem anderen dagegen trifft man sogleich auf tiefe Praxis und ein grosses Herz. Und da entstehen Freundschaften - und nicht Zweckbeziehungen, die darauf ausgerichtet sind, wer mir wozu dienen könnte.

Solche Freundschaften sind kostbar! Sie bilden eine globale, innere Sangha (Gemeinschaft der Praktizierenden) über Kontinente hinweg.